Sammeln Sie? Und was sammeln Sie? Sammeln ist universell. Seit es den Homo sapiens gibt, gibt es auch den «Homo Collector».
Unsere Vorfahren sammelten Brennholz, Beeren und Pilze. Bereits Kleinkinder sammeln Steine, später sind es Aufkleber, Panini-Bildchen, Briefmarken, Münzen, Teddybären, Porzellan oder Bierdeckel, die den Collectionneur erfreuen. Die Möglichkeiten sind (fast) unendlich. Es spielt auch keine Rolle, ob die Gegenstände gratis, günstig oder teuer zu haben sind. Erlaubt es das Portemonnaie können auch Autos, Uhren oder sogar Flugzeuge gesammelt werden. Grundsätzlich kann alles in eine Sammlung Eingang finden, aus Platzgründen empfiehlt es sich aber, vor allem handliche Dinge zu sammeln.
Es gibt auch den unsystematischen Sammler, der nur Dinge sammelt, die ihm gefallen oder die ihn an etwas erinnern. Die Grenze zu den Souvenir-Jägern ist da wohl fliessend. Teelöffel, Fingerhüte oder die geklauten Badeschlappen aus dem Luxushotel – seit Menschen reisen, sammeln sie Erinnerungsstücke. Was verraten diese Souvenirs über uns? Was sagt das Sammeln über uns?
«Der Sammler ist – psychologisch betrachtet – ein besonderer Mensch. Er betreibt sein Hobby leidenschaftlich-emotional, verliert beim Anblick eines begehrten Sammelstücks leicht den Bezug zur Realität und lässt sich häufig zu irrationalem Handeln hinreißen. Er ist dabei extrem opferbereit und steht, um seine Ziele zu erreichen, deutlich früher auf als andere Menschen. Er rennt mit einer gefährlich hohen Menge Bargeld in der Tasche frühmorgens im Eiltempo über dämmrige Flohmärkte. Er schont sich dabei nicht und geht auch im Winter bei Minusgraden auf Jagd, ohne Handschuhe oder lange Unterhosen. Er nimmt dabei nicht selten eine Blasenentzündung in Kauf. Auch sitzt er stundenlang des nachts, wenn andere Menschen längst schlafen, vor dem Computer, um per Internet-Auktion ein paar begehrte Stücke zu steigern und andere Interessenten oder andere Sammlerkollegen dabei nach Kräften zu überbieten.»
So beschreibt Reinhold Berndt, Mitglied des Vereins Korkenzieherfreunde sein Hobby. Der Text zeigt das Engagement des echten Sammlers, der sich als Jäger fühlt. Und weiter: «Er wird gejagt von inneren Trieben, die sein Denkvermögen einschränken und sein Handeln zur zwanghaften Neurose verkümmern lassen.» Ein Jäger, gejagt und von seiner Leidenschaft gefangen.
Noch dramatischer wird es, wenn besonders beliebte Sammelobjekte nur in begrenzter Auflage (limited editions) und teilweise schon bei der Produktion künstlich verknappt werden.
Das systematische und institutionalisierte Sammeln von Museen, Bibliotheken oder Archiven nimmt sich dagegen brav und bieder aus. Die Definition in der wikipedia ist streng: Sammeln ist eine Tätigkeit, welche die systematische Suche, Beschaffung und Aufbewahrung von Gegenständen oder Informationen betrifft. Wichtig: sammeln bedeutet (kritisch) auswählen, im Gegensatz zum Anhäufen. In der Regel werden Gegenstände gesammelt, aber der Vollständigkeit halber muss gesagt werden, dass auch Ideen, Informationen oder Daten gesammelt werden können.
Ein Museum hat in der Regel ein (Sammlungs-)Thema. Daraus ergibt sich ein Sammlungskonzept. Oder ein geografischer Raum grenzt die Sammlungstätigkeit mindestens ein. Als Grundlage dient ein langer Fragenkatalog, wie Passt das Objekt in die Sammlung? Stammt das Objekt aus dem geografischen Raum des Museums? Ist das Objekt zeitlich, regional, technisch oder künstlerisch repräsentativ? Ergänzt das Objekt die bestehende Sammlung in sinnvoller Weise? Hat das Objekt eine Geschichte? Eignet sich das Objekt für eine Ausstellung? Ist das Objekt wissenschaftlich interessant? Wie ist sein Erhaltungszustand? Ist der konservatorische Aufwand verhältnismässig? Oder sind hinderliche Auflagen an das Objekt gebunden? Aber auch: Welche Kosten verursacht das Objekt? Viele Museen sind heute vorsichtig geworden und sehr wählerisch in der Übernahme von neuen Objekten, die Kosten und/oder grossen konservatorischen Aufwand verursachen oder viel Depotplatz benötigen.
Ein grosses Thema und nicht gelöstes Problem sind deshalb Museumsbestände, die nicht (mehr) in das Sammlungskonzept passen, überflüssig, teuer oder vergammelt sind. Überprüfung der Sammlung oder Deakzession ist das Wort der Stunde. Verschlankung der Sammlung oder Aussondern ist ein schwieriges Geschäft, ohne den radikalen Ratschlag «Am Besten verbrennt man, was man aussondern will. Das fällt am Wenigstens auf» zu befolgen.
Das Rebbaumuseum am Bielersee hat seine Sammlung(en) rund um den Rebbau und die regionale Geschichte aufgebaut und beschränkt sich auf diese. Unser Museum wird deshalb nie eine Wein-Sammlung besitzen, wie sie der Franzose Michel-Jack Chasseuil – mit über 50 000 Flaschen vermutlich die grösste Weinsammlung der Welt – sein Eigen nennt. Aber wir sammlen weiter. Und so zeigen wir in der Saison 2026 die interessantesten und schönsten Teile aus unseren kleinen aber feinen Sammlungsbeständen: Korken, Korkenzieher, Käfer, Fässchen, Flaschen, Gläser, Weinetiketten, Werkzeuge, Postkarten, Stiche und Bilder von Künstlern rund um den Bielersee.
Heidi Lüdi Pfister